Frankfurt am Main, 21. März 2024 – Eine aktuelle Studie hat Unternehmens- und Finanzentscheider zu den Themen Nachhaltigkeit und Green Finance befragt: Nachhaltigkeit bleibt ein Top-Thema in der Wirtschaft. Angesichts der aktuellen Herausforderungen ordnen jedoch viele Unternehmen ihre Prioritäten neu. Nachhaltige Finanzierungsinstrumente bleiben eine Nische, allerdings wächst die Zahl derer, die damit bereits Erfahrungen gesammelt haben.
Die geo- und wirtschaftspolitischen Verwerfungen zwingen viele Unternehmen zur strategischen Kurskorrektur. Dennoch behalten sie die Nachhaltigkeit fest im Blick. Dies geht aus einer aktuellen Studie von F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der LBBW und FINANCE hervor. Für die Mehrheit der Befragten steht der ökologische Nachhaltigkeitsaspekt im Mittelpunkt. In den Bereichen Soziales und Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensführung werden stellenweise Investitionen gedrosselt.
„Das Gros der Unternehmen beschäftigt sich bislang vorrangig mit den ökologischen Themen, dem E in ESG. Social und Governance stehen eher weniger im Fokus. Das wird sich jedoch zukünftig ändern, denn die drei Bereiche sind gleich wichtig“, sagt Joachim Erdle, Vorstand Unternehmenskunden der Landesbank Baden-Württemberg.
Der Markt für Sustainable Finance wächst stetig: 67 Prozent der befragten Finanzentscheider haben sich bereits damit auseinandergesetzt. Vor vier Jahren waren es erst 52 Prozent. Einen echten Sprung im Vergleich zu den Vorjahren haben die ESG-linked Loans hingelegt: 17 Prozent der befragten Finanzentscheider haben dieses Instrument eingesetzt (2022: 5 Prozent). Green Loans und Green Bonds haben jeweils 10 Prozent der Befragten umgesetzt.
Dass Nachhaltigkeit und nachhaltige Finanzierungen auf der Agenda bleiben, dafür sorgt der Gesetzgeber. Unternehmen werden künftig noch stärker zur Offenlegung von Nachhaltigkeitskennzahlen verpflichtet. 82 Prozent der Finanzentscheider sagen daher, die systematische Datenerfassung und -verarbeitung ist für die nicht-finanzielle Berichterstattung hochrelevant. Allerdings sehen sich erst 40 Prozent der befragten Finanzentscheider an diesem Punkt angekommen.
Häufig fordert dabei bereits der Umgang mit nachhaltigkeitsrelevanten Rohdaten heraus: Für 62 Prozent der befragten Finanzentscheider ist der Datenerfassungsaufwand problematisch. Die Hälfte klagt zudem über mangelnde Datenqualität, und für weitere 42 Prozent ist die Datenbeschaffung aus unterschiedlichen Quellen schwierig.
„Viele Unternehmen ohne direkten regulatorischen Druck unterschätzen im Vorfeld den Aufwand der ESG-Datenerfassung. Perspektivisch darf sich die Qualität von Nachhaltigkeits- und Finanzkennzahlen aber nicht mehr wesentlich unterscheiden. Eine unsichere Datenbasis führt schnell zu einer Verletzung regulatorischer Vorgaben“, warnt Jacqueline Preußer, Head of research bei F.A.Z. Business Media.
Da die Erhebung und Messung von Nachhaltigkeitskennzahlen an Bedeutung gewinnen, werden diese auch immer häufiger als Messgröße für nachhaltige Finanzierungen eingesetzt. 53 Prozent der befragten Finanzentscheider sprechen sich für die Koppelung der Zinshöhe an individuell festgelegte Kennzahlen aus. Lediglich 22 Prozent bevorzugen ESG-Ratings und ein weiteres Fünftel will sich nicht festlegen.
Für die Studie „Nachhaltigkeit und Green Finance. Wie Unternehmen die Datenflut beherrschen“ führte F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der Landesbank Baden-Württemberg und FINANCE im Oktober und November 2023 eine Online-Befragung unter 188 Unternehmensentscheidern und 177 Finanzentscheidern im deutschsprachigen Raum durch. Bereits im fünften Jahr in Folge untersucht die Studie die Nachhaltigkeitsaktivitäten zahlreicher Unternehmen und den Stellenwert von Nachhaltigkeit in der Unternehmensfinanzierung.


Die vollständige Studie gibt es unter https://www.finance-magazin.de/research/studien/green-finance-wie-unternehmen-die-datenflut-beherrschen/