Public Transformation

Wie die öffentliche Hand den Wandel finanziert

Die Haushaltslage ist angespannt wie lange nicht mehr, die engen Investitionsspielräume schränken die Transformation auf kommunaler Ebene spürbar ein. Der Investitionsdruck ist enorm, große Ungewissheit mit Blick in die Zukunft die Folge. Dies belegt die vorliegende Studie von #svm und LBBW, aus der wir auf dieser Seite einige zentrale Ergebnisse vorstellen. Die Studie basiert auf einer Online-Befragung unter 210 Entscheiderinnen und Entscheidern aus der Kommunalverwaltung sowie kommunalen und kommunalnahen Unternehmen in Deutschland zur Finanzierung der großen Transformationsbereiche im öffentlichen Sektor und zur kommunalen Mobilität.

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Öffentlicher Sektor unter Druck

Bei der Transformation des öffentlichen Sektors spielen Städte und Gemeinden eine Schlüsselrolle. Nirgendwo sonst sind die Effekte von Veränderungen so direkt erlebbar wie dort. Zahlreiche Transformationsaufgaben fallen in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen: Verwaltungen werden digitalisiert, kommunale Mobilitätsangebote sollen zukünftig umweltfreundlicher gestaltet sein. Wärmenetze müssen vor Ort dekarbonisiert, kommunale Gebäude modernisiert und die Versorgung auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Hinzu kommt der immer stärker um sich greifende Fachkräftemangel, der den Umbau hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft zunehmend ausbremst. Lediglich im Bereich Mobilität verspüren deutlich weniger als die Hälfte der Befragten gegenwärtig Investitionsdruck. Das ist fatal, denn vor allem in diesem Bereich werden die Klimaziele Jahr für Jahr verfehlt, gerade Städte und Gemeinden dürfen diese nicht aus den Augen verlieren.

Spüren Sie in Ihrer Kommune/Ihrem kommunalen Unternehmen bei den folgenden Transformationsaufgaben gegenwärtig Investitionsdruck?; Anteil „sehr stark spürbar“ und „stark spürbar“; in Prozent der Befragten; n = 210

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

in Prozent der Befragten; n = 210

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

Bis 2027 planen 49 Prozent der Befragten, stär­ker in die Energie- und Wärmeversorgung zu investieren – 10 Prozentpunkte mehr als in die Digitalisierung, die damit auf dem zweiten Platz landet, nachdem sie bislang an der Spitze der Investitionen lag. Dennoch dürften auch wei­terhin hohe Investitionen in die Digitalisierung fließen: 50 Prozent planen dort einen ähnlichen Investitionsumfang wie zuletzt. Es folgen die Bereiche Wohnen und Gebäude, Fachkräftege­winnung sowie Mobilität. 47 Prozent der Befragten wollen den bislang vergleichsweise niedrigen Investitionsumfang für die Mobilität beibehalten, 50 Prozent den für die Fachkräfte­gewinnung. Das zeigt: Müssen sich kommunale und kommunalnahe Entscheider festlegen, wel­che Transformationsbereiche sie priorisieren, fallen Mobilität und Fachkräftegewinnung am häufigsten durchs Raster.

71%

hat die Finanzierung der Transformationsprozesse zuletzt
viel Kopfzerbrechen bereitet.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

92%

erwarten hinsichtlich der Transformationsprozesse zukünftig steigenden Investitionsdruck.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

75%

halten bislang ungenutzte Finanzierungsquellen für
notwendig.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

Mit nachhaltiger Finanzierung in die Zukunft?

Die kommunalen Entschei­der nehmen großen Druck aus der Bevölkerung wahr: Drei von fünf sagen, die Bürger messen nachhaltiger Kommunalpolitik einen immer höheren Stellen­wert bei. Die Entscheider haben erkannt, dass die Gesellschaft Nachhaltigkeit einfor­dert und sich grundlegend etwas ändern muss, agieren jedoch langsam in Bezug auf alternative Finanzierungswege.

Warum ist das so? Um diese Frage zu eruieren, sollten die Befrag­ten Vor- und Nachteile grüner Instrumente bewerten und diese außerdem mit der traditi­onell gängigsten Form der Fremdfinanzierung – dem Kommunalkredit – vergleichen. Hierbei fallen die Zustimmungswerte zu den Vorteilen deutlich niedriger aus als zu den Nachteilen.

Vorteile

in Prozent der Befragten; n = 210

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

Nachteile

in Prozent der Befragten; n = 210

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

Klassische Fremdkapital-Strategien für die Finanzierung der Transformation sind bisher in erster Linie Kommunalkredite und staatliche Fördermittel. Selten werden auch Schuldscheindarlehen oder Anleihen (jeweils ohne nachhaltigen Fokus) genutzt. Kaum Bedeutung haben hingegen grüne Finanzierungen, auch wenn ein gewisses Interesse für diese Finanzierungsform bei knapp einem Drittel der Befragten erkennbar ist. Die tat­sächliche Nutzung bleibt indes die Ausnahme. Diese Diskrepanz lässt sich vor allem mit den wahrgenommenen Nachteilen erklären. Wären nachhaltige Finanzierungen weniger mühsam und gäbe es ein einfach nutzbares Wirkungsmo­nitoring, wären vermutlich mehr Entscheider im öffentlichen Sektor interessiert. Gleichzeitig legen die Antworten noch einen wei­teren Grund für die weitgehende Zurückhaltung bei der Nutzung nachhaltiger Instrumente nahe: Unter vielen Kommunalentscheidern scheint eine große Ratlosigkeit zu herrschen. Bei der Nutzung nachhaltiger Finanzierungen konnten oder wollten zwischen 35 und 42 Prozent nicht antworten – außergewöhnlich hohe Werte. Viele Verwaltungen haben sich demnach offen­bar noch nicht mit alternativen, nachhaltigen Modellen beschäftigt.

Welche Finanzierungsinstrumente kommen für Ihre Kommune/Ihr kommunales Unternehmen grundsätzlich in Frage, welche haben Sie schon genutzt, um die großen Transformationsaufgaben zu finanzieren?;
in Prozent der Befragten; n = 210

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

60%

erkennen eine gestiegene Bedeutung nachhaltiger Kommunalpolitik aus
Sicht der Bürger.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

49%

halten nachhaltige Finanzierungsinstrumente für
erforderlich.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

18%

der Großstädte haben bereits mindestens ein nachhaltiges Finanzierungsinstrument genutzt.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

Kommunale Mobilität: Problem motorisierter Individualverkehr 

Die Überlastung des motorisierten Individual­verkehrs bewerten die Studienteilnehmer als größte gegenwärtige Herausforderung im kom­munalen Verkehr (82 Prozent). Die Frage nach der Rolle privater Pkw liegt deshalb nahe. Schließlich sind sie es, die – Stichworte Parkplatzsuche, Stau, lange Standzeiten – maßgeblich zur Überlastung beitragen. Gleichzeitig ist das eigene Auto ein „Safe Space“ für seine Besitzer, ermöglicht fle­xible Reisezeiten, bietet in der Freizeit oder mit Kindern eine denkbar stressfreie, unabhängige, immer verfügbare Art des Reisens, und die Fahrt im eigenen Pkw erspart Verkehrsteilnehmern die oft noch immer komplexe Suche nach Bus- oder Bahnverbindungen und den Ticketkauf am Schalter oder per App. Aus diesen Gründen ist der Privat-Pkw in der Bevölkerungsmehrheit noch immer Verkehrsmittel Nummer eins. Dass diese Vormachtstellung langfristig beste­hen bleibt, davon ist das Gros der Befragten die­ser Studie überzeugt.

 

„Das Auto wird in deutschen Städten und Gemeinden auch zukünftig das wichtigste Verkehrsmittel im Individualverkehr sein.“; in Prozent der Befragten; n = 197

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

„Das Auto wird in deutschen Städten und Gemeinden auch zukünftig das wichtigste Verkehrsmittel im Individualverkehr sein.“; in Prozent der Befragten; n = 197

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

91%

verfügen nicht über die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Mobilitätswende
zu finanzieren.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

0%

sehen Deutschlands Städte und Gemeinden bei der Verkehrswende
auf einem guten Weg.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

11%

sind überzeugt, dass sich das Verkehrssystem in den kommenden zehn Jahren grundlegend wandeln wird.

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research

ÖPNV und Radverkehr als Lösung

Die fünf nach Ansicht der Befragten interessan­testen Ansätze der Zukunft der Mobilität stammen allesamt aus den Berei­chen ÖPNV (blaue Kreise unterhalb) und Radverkehr (grüne Kreise). Erst an sechster Stelle folgt mit Investitionen in die öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Autos eine Maßnahme aus einem anderen Bereich (oranger Kreis). Betrachtet man lediglich die Bewertungen mit großem Potential, ist das Bild ähnlich: Hier stammen gar die ersten sechs Positionen aus ÖPNV und Radverkehr, erst dann folgt mit Multimodal-Apps (35 Prozent) ein Vorschlag außerhalb dieser beiden Sektoren.

einheitliche ÖPNV-Tickets in gesamter Region

Ausbau des ÖPNV-Netzes

Ausbau von Radwegen/Radschnellwegen

flexiblere ÖPNV-Angebote/
On-Demand-Busse

Abbau von Gefahrenstellen und
Barrieren für Radfahrer

Investitionen in die öffentliche
Ladeinfrastruktur für E-Autos

„Welches Zukunftspotential sehen Sie in den folgenden Maßnahmen in Ihrer Kommune?“;
Anteil „großes Potential“ und „gewisses Potential“; in Prozent der Befragten; n = 197

Quelle: LBBW, #svm/F.A.Z. Business Media | research