
Frankfurt am Main, 17. März 2025. Unternehmen in Deutschland legen einen immer stärkeren Fokus auf nachhaltiges Handeln und Wirtschaften – die Nutzung nachhaltiger Finanzierungsinstrumente stagniert momentan jedoch. Das zeigt eine Befragung von F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und des Fachmagazins FINANCE unter 135 Unternehmens- und 156 Finanzentscheidern. Aufwendige Berichtspflichten und geringe finanzielle Vorteile lassen viele Unternehmen zögern. Dennoch erwarten die Befragten in Zukunft einen wachsenden Markt für nachhaltige Instrumente.
Interesse ja, aktive Nutzung nein: So lässt sich das Verhältnis von Unternehmen zu nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten aktuell zusammenfassen. Einerseits haben sich schon 65 Prozent der befragten Finanzentscheider mit nachhaltigen Finanzierungen auseinandergesetzt, weitere 11 Prozent planen dies zukünftig. Andererseits stagniert die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr im Falle fast aller Instrumente: Bei nachhaltigen Bonds und Schuldscheindarlehen liegen die Werte in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs; lediglich nachhaltige Kredite, insbesondere ESG-linked Loans (die inzwischen von 22 Prozent der Befragten genutzt wurden), verzeichnen einen Anstieg. Wer den Schritt zu nachhaltigen Finanzierungen geht, macht laut den Befragten meist positive Erfahrungen: Gut neun von zehn derjenigen Finanzentscheider, die bereits mit nachhaltigen Finanzierungsinstrumenten Erfahrung gesammelt haben, würden diese wieder nutzen.

Mehrere Faktoren senken die Attraktivität
Mit Blick auf Finanzierungen geben 55 Prozent an, die unsichere wirtschaftliche Entwicklung erschwere derzeit grundsätzlich die Kapitalbeschaffung. Gegen nachhaltige Finanzierungen sprechen vor allem der Aufwand für Erfassung und Reporting (63 Prozent nennen diesen Hinderungsgrund), zu geringe finanzielle Vorteile gegenüber konventionellen Finanzierungen (60 Prozent) und die Tatsache, dass in vielen Unternehmen wesentliche Nachhaltigkeitsdaten nicht vorhanden sind (47 Prozent). Kleinere Unternehmen nennen außerdem fehlendes Know-how überdurchschnittlich als Schwierigkeit.

Stichwort Reporting: Fast zwei Drittel der befragten Unternehmensentscheider finden, die Umsetzung der EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) binde so viele Kapazitäten, dass Unternehmen nicht genügend Ressourcen für die tatsächliche Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen hätten.
In der angespannten konjunkturellen Lage, die zahlreichen Unternehmen Schwierigkeiten bereitet, stehen Wettbewerbsfähigkeit, Effizienzsteigerung und Kostenreduktion an erster Stelle. 57 Prozent der Unternehmensentscheider sagen, geo- und wirtschaftspolitische Verwerfungen haben die nachhaltige Transformation ihres Unternehmens verzögert. Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und die Transformation von Geschäftsmodellen erscheinen in diesem Umfeld fast wie Luxusthemen, für die aktuell vielfach die nötigen Ressourcen fehlen.
Nachhaltigkeit wird zukünftig noch wichtiger
Gleichzeitig sind sich fast alle Befragten einig, dass Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist und in Zukunft noch wichtiger wird: 90 Prozent der Unternehmensentscheider haben sich inzwischen mit dem Thema befasst; 82 Prozent gehen davon aus, dass die Relevanz von Nachhaltigkeit in den kommenden fünf Jahren weiter steigen wird. Zudem erwarten sie direkte Folgen für Unternehmen, die nicht gewissenhaft genug agieren: Knapp drei Viertel der Unternehmensentscheider glauben, dass Unternehmen, die nicht ausreichend nachhaltig handeln, langfristig wirtschaftlich schlechter abschneiden werden als solche, die dem Thema viel Aufmerksamkeit schenken.
Angesichts dieser Perspektive gehen die Befragten davon aus, dass sich auch der momentan schwächelnde Markt für nachhaltige Finanzierungen erholen wird: Etwa zwei Drittel der Finanzentscheider erwarten, dass die Nachfrage nach solchen Instrumenten in den kommenden fünf Jahren deutlich steigen wird.
Zentrale Ergebnisse der beiden Expertenbefragungen finden Sie hier aufbereitet: Digitalseite
Alle Ergebnisse der Studie plus Interviews mit Top-Entscheidern ist hier als PDF abrufbar: Download
Methodik: Für die Studie „Nachhaltigkeit und Green Finance. Weichen stellen für die Zukunft“ führte F.A.Z. Business Media | research im Auftrag von LBBW und FINANCE von Oktober bis Dezember 2024 eine Online-Befragung unter 135 Unternehmensentscheidern (Geschäftsführer und CSR-Verantwortliche) sowie 156 Finanzentscheidern in Deutschland durch. Es handelt sich um die sechste Green-Finance-Studie seit dem Beginn der jährlich durchgeführten Befragung im Jahr 2020.