Digitale Verwaltung, klimafreundliche Mobilität, smarte Energienetze: Deutschlands Städte und Gemeinden stehen im Zentrum des gesellschaftlichen Umbaus. Vor allem Großstädte treiben Smart-City-Projekte voran, um Verkehrsprobleme, Energiefragen und Umweltschutz besser zu bewältigen. Doch fehlendes Geld und knappes Personal bremsen vielerorts den Fortschritt, wie unsere quantitative Befragung zeigt.
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Großstädte wollen smart werden
Ob digitale Bürgerdienste, moderne Wärmenetze oder energieeffiziente Gebäude – Städte und Gemeinden setzen zunehmend auf digitale Technologien. Smart-City-Projekte verbinden technologische Innovation mit nachhaltigen Lösungen, von vernetzten Verkehrssystemen bis zu intelligenten Energienetzen. Das Ziel ist klar: effizientere und bürgernähere Städte.
Von den 236 Befragten geben 64 Prozent an, dass in ihrer Kommune bereits ein Smart-City-Projekt umgesetzt wurde. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang: Je größer die Kommune, desto häufiger finden sich solche Vorhaben.
Großstädte stehen unter besonderem Druck, denn Staus, Luftverschmutzung, Wohnraummangel und Energiefragen sind hier besonders drängend. Smart-City-Technologien wie Verkehrslenkung, digitale Bürgerdienste oder intelligente Energienetze entfalten ihren Nutzen vor allem dort, wo Größe und Dichte groß genug sind. Sensorik, Datenplattformen oder Mobilitätslösungen erzielen in großen Städten einen deutlich höheren Nutzen als in kleineren Gemeinden.
Sechs von zehn Befragten geben an, dass in ihrer Kommune aktuell ein Smart-City-Projekt geplant wird. Neue Projekte werden in den kommenden zwölf Monaten vor allem in Großstädten angestoßen (78 Prozent).
Planen Sie derzeit Smart-City-Projekte in Ihrer Kommune?;
in Prozent der Befragten; n = 236
Quellen: Deloitte, MobilityMindz, #svm/F.A.Z. Business Media | research
Digitale Verwaltung bleibt größte Herausforderung
Kleinere Kommunen setzen eher auf die gezielte Lösung einzelner Probleme. Digitale Bürgerdienste, E-Ladesäulen und beispielsweise Energieeinsparungen bei der Straßenbeleuchtung sind hier wichtige Themen. Die Verkehrsverdichtung und Begrünung drängen eher weniger, ein flächendeckender ÖPNV dagegen schon. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Themenfelder der bereits durchgeführten oder geplanten Smart-City-Projekte. In Kommunen unter 20.000 Einwohnern geben die Befragten an, dass vor allem Projekte in den Bereichen digitale Verwaltung umgesetzt werden. Mit großem Abstand folgen dann die Themen Energie und Umwelt sowie das Datenmanagement.
Den größten Handlungsbedarf sehen alle Befragten – unabhängig davon, ob bereits ein Smart-City-Projekt durchgeführt wurde, in Planung ist oder derartige Überlegungen bisher keine Rolle spielen – in der digitalen Verwaltung, gefolgt von Datenmanagement, Infrastruktur und Mobilität. Befragte aus Groß- und mittleren Städten nennen das Thema Mobilität überdurchschnittlich oft. Auffällig ist, dass größere Städte gleich mehrere Handlungsfelder benennen. Während die Befragten aus ländlichen Gemeinden im Durchschnitt nur gut zwei Themen hervorheben, sind es in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern fast fünf. Mittlere Städte bewegen sich mit durchschnittlich dreieinhalb Nennungen zwischen diesen Extremen.
digitale Verwaltung
Datenmanagement
Infrastruktur
Mobilität
In welchem Themenfeld sehen Sie den größten Handlungsbedarf Ihrer Kommune hinsichtlich Smart-City-Lösungen?; in Prozent der Befragten1; n = 236
1 weitere Aspekte abgefragt; Mehrfachnennungen möglich; Darstellung ohne Antwortoptionen „Sonstiges“ und „weiß nicht/keine Angabe“
Quellen: Deloitte, MobilityMindz, #svm/F.A.Z. Business Media | research
Größte Engpässe bei Geld und Personal
Smart-City-Projekte sind ein wichtiger Baustein für die digitale Transformation der Städte und Gemeinden. Doch die Befragten sehen auch einige Hürden auf ihrem Weg zur smarten Kommune. Allem voran fehlt es an Geld.
75 Prozent der Befragten sehen die Finanzierung als Hindernis. Dabei ist wichtig zu wissen: 81 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Smart-City-Projekte aus kommunalen Mitteln finanziert werden. Daneben spielen Förderprogramme eine wichtige Rolle (70 Prozent). Private Investoren sind hier bislang so gut wie gar nicht involviert (5 Prozent).
Der Personalmangel und die fehlenden Kompetenzen der Verwaltungsmitarbeitenden sind aus Sicht der Befragten mit 67 Prozent Nennungen die zweitgrößte Hürde für Smart-City-Projekte. Nur gut die Hälfte der Befragten aus Großstädten bescheinigt den Verwaltungsmitarbeitenden eine hohe Kompetenz im Umgang mit Smart-City-Themen.
Welche Hürden sehen Sie aktuell bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten?; in Prozent der Befragten1; n = 236
1 Mehrfachnennungen möglich; Darstellung ohne Antwortoptionen „Sonstiges“
und „weiß nicht/keine Angabe“
Quellen: Deloitte, MobilityMindz, #svm/F.A.Z. Business Media | research