Von Nettetal bis Hamburg

Im Zentrum einer Smart City steht die Idee, Städte und Gemeinden digitaler, effizienter und lebenswerter zu gestalten. Technologie ist dabei Werkzeug – kein ­Selbstzweck. Entscheidend ist, Lösungen für reale Herausforderungen zu finden: vom Klimaschutz über Mobilität bis zur sozialen Teilhabe. Statt isolierte Pilotprojekte zu fördern, rückt die Smart City zunehmend als strategisches Leitbild in den Mittelpunkt urbaner Entwicklung.

Gesprächspartner aus Ahaus, Essen, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Mannheim, Nettetal, Siegburg und Wiesbaden teilen ihre Sicht auf das Thema Smart City.

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Perspektiven deutscher Städte

Was ist eine Smart City? Was macht sie aus? Die Antworten der Gesprächspartner auf diese Fragen sind so vielfältig wie die Städte selbst. Während die technologische Entwicklung oft als Treiber oder Grundlage genannt wird, ist für viele Städte ebenso die sozial gerechte Teilhabe ein wichtiger Punkt.

Zentrale Ziele der Städte:

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Stärkung der digitalen Beteiligung. Smart-City-Projekte sollen allen Bevölkerungsgruppen zugutekommen, unabhängig von Alter, technischer Affinität oder Wohnort. Dabei wird sowohl der Zugang zu Dienstleistungen sichergestellt wie auch die aktive Mitgestaltung: Digitale Beteiligungsplattformen sollen Bürger stärker in städtische Entscheidungsprozesse einbinden und ein partizipatives städtisches Leben ermöglichen. Zudem wird die Digitalisierung als Mittel verstanden, den demografischen Herausforderungen zu begegnen, indem sie Verwaltungsmitarbeitende entlastet und Kapazitäten für andere Aufgaben schafft.

Die übergeordneten Ziele der Smart-City-Projekte in den Städten sind breit gefächert – sie umfassen sowohl wirtschaftliche als auch soziale Dimensionen. Trotz Unterschieden steht ein Dreiklang im Fokus: Effizienz steigern, digitale Teilhabe sichern, Kooperation fördern.

Das Hauptziel ist, die städtische Verwaltung zu modernisieren, damit Abläufe schneller und effizienter werden. Mit digitalen Lösungen werden Verwaltungsprozesse einfacher, schneller und bürgerfreundlicher. Online-Angebote wie die Beantragung von Dokumenten und die Beteiligung der Bürger im Internet tragen dazu bei, Bürokratie zu verringern und den Zugang zu städtischen Leistungen zu verbessern.

Die Verwaltung soll idealerweise rund um die Uhr erreichbar sein und viele Dienste komplett online anbieten. Einheitliche digitale Identitäten vereinfachen den Zugang und ermöglichen barrierefreie Kontakte zwischen Bürgern und der Verwaltung.

Die Interviewpartner betonen außerdem, dass es nicht nur um den Einsatz neuer Software oder IT-Systeme geht. Vielmehr handelt es sich um einen umfassenden Transformationsprozess, der die Arbeitsweise in der gesamten Verwaltung verbessern soll. Ausgerufenes Ziel der Städte und Gemeinden ist dabei nicht nur die Kostenersparnis, sondern auch eine höhere Servicequalität für Bürger und eine bessere Nutzung vorhandener Verwaltungsressourcen.

Der Effizienzfokus hinter vielen Smart-City-Projekten geht über die Verwaltungsebene hinaus. Die Vorhaben zielen auch auf ein smartes Ressourcenmanagement ab und sollen die Nachhaltigkeit fördern. Energieeffizienz und Klimaschutz sind wichtige Hintergedanken bei neuen Projekten. Ein Beispiel dafür sind intelligente Stromnetze: Sie überwachen den Stromverbrauch einer Stadt oder Gemeinde in Echtzeit und passen die Versorgung an. So kann Energie gezielter und bedarfsgerechter genutzt werden.

Smart-City-Vorhaben zielen auch darauf ab, bessere Informationsgrundlagen für Entscheidungen zu schaffen. Eine intelligente Stadt soll mithilfe erhobener Daten und digitaler Werkzeuge dazu beitragen, Probleme schneller und effektiver zu lösen. So wird mit Sensoren oder Kameras der Verkehrsfluss in einer Stadt ­analysiert, um mithilfe der gesammelten Daten die Infrastruktur verbessern zu können. Gleichzeitig wird davor gewarnt, Projekte nur aus Prestigegründen umzusetzen – Smart-­City-Vorhaben sollten immer einen konkreten Nutzen haben und an klaren Bedarfen ausgerichtet sein.

Viele Smart-City-Projekte setzen stark auf Zusammenarbeit. Städte wollen für Unternehmen und Fachkräfte attraktiver werden. Moderne Strukturen und Digitalisierung bilden auch dafür die Basis. Das Ziel von Smart-City-Projekten ist daher auch, dass Behörden intern besser zusammenarbeiten und die Kooperation mit externen Partnern leichter wird. Für die Städte ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen essenziell, denn ihr Fachwissen bringt neue Ideen schneller voran. Ebenso wird betont, wie wichtig und hilfreich der Austausch mit anderen Kommunen ist, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Bei uns in der Innenstadt sind Parkplätze mithilfe von Kameras oder Sensorik ausgestattet, sodass man weiß, wie stark diese ausgelastet sind. Besonders in der ländlichen Region ist es wichtig zu schauen, wie viele Parkplätze wir insgesamt brauchen.

Unser Ziel ist es, die Stadt im Sinne der Bürger noch smarter und lebenswerter zu gestalten. Wir legen Wert darauf, uns selbst kontinuierlich zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen weiterzuentwickeln

Eines unserer Hauptthemenfelder, das wir bei Smart City Mannheim bearbeiten, ist der Klimawandel. Mit unseren digitalen Tools unterstützen wir Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung.

Wir wollen 2035 komplett digital sein. Das heißt, alle Angebote, die wir als Verwaltung haben, möchten wir auch als digitale Dienstleistung anbieten können.

Die Kernfragen, die man sich bei Smart-City-Projekten immer stellen muss, sind: Was ist das Problem, das ich mit einem spezifischen Projekt lösen möchte? Und: Ist das Problem groß genug?

Bürgerbeteiligung ist bei uns in den letzten Jahren ein Schwerpunkt geworden.

Wir erfassen eine Vielzahl von Mobilitätsdaten und haben dafür zum Beispiel auch Wärmebildkameras im Einsatz, die für uns mithilfe von KI den Verkehr zählen, um datenfundierte Verkehrsplanung vorzunehmen und den Verkehr besser zu steuern.

Wir schauen, was andere Städte und Kommunen machen und welche Hidden Champions wir in unserer eigenen Verwaltung haben. Dafür haben wir den Innovationstag eingeführt: So können wir Wissen sichtbar machen und gezielt transferieren.

Kommunen im Stresstest

Zwischen Datenschutz, Hierarchien und knappen kommunalen Kassen entsteht ein Spannungsfeld, das Smart-City-Pläne auf die Probe stellt. Diese Hindernisse prägen und bremsen die Projekte der Städte. Es werden Muster sichtbar, die darüber entscheiden, ob und wie schnell eine Kommune zur Smart City werden kann.

Zentrale Herausforderungen der Städte:

Mit Blick auf die technologischen Schwierigkeiten, die den Städten bei Smart-City-Projekten begegnen, ist der Datenschutz eine der größten Herausforderungen. Big Data und Cloud-Lösungen werden in Stadtverwaltungen zunehmend genutzt, sie müssen jedoch hohe Datenschutz­anforderungen erfüllen. Zudem erwarten Bürger und Behörden eine hohe Datensicherheit. Das empfinden die Kommunen als sinnvoll, es erschwert jedoch, neue Technologien schnell einführen zu können. Außerdem erweist es sich als herausfordernd, alte IT-Systeme mit neuen digitalen Lösungen zu verknüpfen. Diese Kompatibilitätsprobleme an technischen Schnittstellen sind für viele Verwaltungen eine Hürde bei der Umsetzung von smarten Projekten.

Ein weiteres Hemmnis für die Kommunen: die Finanzierung. Zwar gibt es verschiedene Fördermittel für Smart-City-Vorhaben, doch es ist schwierig, diese Mittel langfristig zu sichern. Viele Kommunen treiben daher (Digitalisierungs-)Projekte nur Schritt für Schritt voran, weil sie nicht alle nötigen Investitionen auf einmal stemmen können.

Vor allem kleinere Städte und Gemeinden tun sich mit großen Ausgaben schwer und nutzen deshalb Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand und privaten Unternehmen, um größere Projekte zu finanzieren. Eine verlässliche Planung über mehrere Jahre und die finanzielle Absicherung sind daher zentrale Voraussetzungen für eine Smart City.

Auf der sozialen Ebene sehen die Städte die Notwendigkeit, ihre Bürger in den technischen Wandel zu integrieren. Manche gesellschaftlichen Gruppen sind gegenüber digitalen Lösungen jedoch skeptischer als andere oder haben Schwierigkeiten im Umgang mit neuen Technologien. Eine mögliche Folge dieser unterschiedlichen Affinitäten: die digitale Kluft zwischen Bevölkerungsgruppen. Diese Spaltung wollen die Städte vermeiden.

Aber auch innerhalb der Stadtverwaltung können Akzeptanzprobleme hinsichtlich neuer Technologien ein Hindernis darstellen. Denn teilweise stehen Verwaltungsmitarbeitende neuen digitalen Systeme skeptisch gegenüber. Hintergrund ist meist die Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren oder andere Aufgaben übernehmen zu müssen. Um diesen Bedenken zu begegnen, starten manche Städte und Gemeinden interne Gespräche und Schulungen, um Ängste abzubauen und die Beschäftigten angemessen auf neue Systeme vorzubereiten.

Auch politische Hürden zählen zu den einschränkenden Faktoren für smarte Städte. Teilweise wird der politische Rückhalt von „ganz oben“ bemängelt: Beteiligt sich die Bundesebene nicht, fehlt es unweigerlich an einer ganzheitlichen Strategie zur Digitalisierung. Aber auch die Unterstützung auf höchster kommunaler Ebene ist wichtig, denn es bedarf eines festgelegten Smart-City-Fahrplans, der in den Städten und Gemeinden langfristig verfolgt werden kann.
Langsame politischen Prozesse bremsen durchweg smarte Projekte, denn sie können mit den schnelllebigen Entwicklungen der Technologie nicht Schritt halten.

Rechtliche Hürden wie das Vergaberecht und die Komplexität föderaler Strukturen sorgen für zusätzliche Verzögerungen, da die Kommunen nicht in der Lage sind, schneller auf neue Lösungen zu reagieren. In vielen Fällen müssen die Städte nicht nur technologische, sondern auch rechtliche Rahmenbedingungen überarbeiten, um die Implementierung von Smart-City-­Technologien zu ermöglichen. Klare Gesetzesvorgaben und verlässliche politische Unterstützung sind daher zentral, um die (digitale) Transformation der Stadt oder Gemeinde voranzutreiben.

Das Thema Finanzierung ist sehr schwierig, weil die Kommunen unter knappen Kassen leiden.

Bestimmte Projekte könnte man bundesweit abwickeln und standardisieren. Und weil das nicht stattfindet, verzetteln wir uns oft auf kommunaler Ebene.

Nur gemeinsam gelingt die Smart City

Der Weg zur smarten Stadt ist mehr als nur eine Frage der Technologie – er erfordert einen tiefgreifenden Wandel in Denkweisen und Strukturen. Die vielfältigen Lösungs­ansätze der Kommunen zeigen: Wenn Städte wie Start-ups denken, Bürger als Mit­gestalter handeln und Verwaltungen kontinuierlich lernen, wird die Transformation
zum Motor statt zur Hürde.

Zentrale Lösungsansätze der Städte:

Ein weiterer wichtiger Ansatz für die Implementierung von Smart-City-Projekten ist die offene Kommunikation mit den Bürgern. Die Einführung von digitalen Lösungen und Technologien kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Bevölkerung nicht nur einbezogen, sondern auch aktiv in die Entwicklung und Gestaltung des digitalen Wandels integriert wird.

In den Interviews wird betont: Die Bürger werden als Mitgestalter gesehen und nicht als reine Empfänger digitaler Dienstleistungen. Daher spielen die digitale Inklusion und die Förderung von digitaler Kompetenz – einige Städte setzen dafür sogenannte „Digital-Lotsen“ ein – eine wesentliche Rolle, um die gesamte Bevölkerung in den Prozess einer Smart City einzubinden.

Digitale Beteiligungsplattformen ermöglichen es den Bürgern, ihre Meinung zu äußern und aktiv mitzugestalten. Zudem können Städte über digitale Plattformen transparent über geplante Projekte informieren.

Die aktive Mitgestaltung des digitalen Wandels durch die Stadtbewohner wird auch als ein gesellschaftlicher Mehrwert angesehen, wenn sich Bürger in der Folge stärker mit ihrer Stadt identifizieren.

Um Smart-City-Projekte umzusetzen, kooperieren kommunale Verwaltungen mit externen Partnern, insbesondere Start-ups, Forschungseinrichtungen und anderen Kommunen. In mehreren Interviews wird deutlich: Städte, die sich den technologischen Wandel nicht allein zutrauen, setzen auf externe Expertise. Besonders kleinere Städte und Gemeinden ohne die nötigen Ressourcen für eigene Forschung und Entwicklung greifen auf Partnerschaften zurück, um die Digitalisierung in ihren Verwaltungen und Infrastrukturen umzusetzen.

Es wird berichtet, dass universitäre Kooperationen mit Innovation Labs oder technischen Einrichtungen maßgeblich dazu beitragen, lokale Lösungen für spezifische Bedürfnisse zu entwickeln und schneller auf neue Entwicklungen zu reagieren. Diese Partnerschaften fördern den Wissensaustausch und ermöglichen eine schnellere Umsetzung von Ideen, die für die Transformation notwendig sind.

Ein wichtiges Learning der Städte bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern ist auch: Nicht jede Idee oder jedes neue Projekt muss von Grund auf neu gedacht werden. Es bewährt sich der Austausch mit anderen Kommunen oder externen Partnern: Bestehende Programme und bereits fertige Lösungen können übernommen, angepasst und kombiniert werden, um Synergien zu nutzen.

Neben der Kooperation mit externen Partnern setzen viele Städte auf Pilotprojekte, die als Testfelder für neue Technologien und Konzepte dienen. Statt große, unübersichtliche Vorhaben auf einmal anzugehen, bevorzugen es die Städte, mit kleineren, überschaubaren Initiativen zu beginnen. Diese Testprojekte ermöglichen es, Fehler frühzeitig zu erkennen, zu beheben und weiterzuentwickeln, bevor eine flächendeckende Einführung erfolgt.

So dienen autonome Fahrzeuge im ­öffentlichen Nahverkehr oder digitale Bürgerportale in den Städten als Modellprojekte. Sie bieten den Bürgern die Möglichkeit, die neue Technik kennenzulernen. Auf diese Weise wird Vertrauen geschaffen, und gleichzeitig werden wertvolle Erfahrungen für zukünftige Projekte gesammelt.

Neben den konkreten Maßnahmen wird in den Interviews häufig betont, wie wichtig eine ­langfristige Vision ist. Der Weg hin zu einer Smart City erfordert nicht nur kurzfristige Projekte, sondern auch einen nachhaltigen Rahmen, der den Wandel langfristig begleitet. ­Daneben wird eine ganzheitliche Strategie gefordert, die nicht nur technologische Innovationen umfasst, ­sondern auch die sozialen und kulturellen Aspekte der (digitalen) Transformation in den Blick nimmt.

Außerdem wird die wirtschaftliche Zusammen­arbeit als entscheidend für die langfristige Umsetzung von Smart-City-Initiativen betrachtet. Private-Public-Partnerships – also die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen aus der Privatwirtschaft – spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie fördern Innovationen und entlasten durch die finan­zielle Beteiligung gleichzeitig den städtischen Haushalt. Diese Art der Kooperation wird als Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der Smart City in den kommenden Jahren gesehen.

Für uns ist es auch wichtig, dass wir eigene Kompetenzen aufbauen. Beziehungsweise diejenigen aktivieren, die wirklich Lust auf ein Projekt haben, die eine intrinsische Motivation haben. Weiterbildungen und Vernetzungsformate sind hier ein wichtiger Schlüssel.

Heidelberg steht für Innovation. Mit einem zukunftsorientierten Mindset treiben wir Innovation voran. Wir denken voraus, arbeiten agil. Wir denken in Netzwerken, arbeiten kollaborativ. Wir sind ein Do Tank, so bringen wir Ideen in die Praxis.

Was auch wichtig ist: Insellösungen skalierbar machen, Standards erarbeiten, an denen sich andere Städte orientieren können. Und wenn man erst einmal die Grundvoraussetzungen bei den Kommunen schafft, dann kann man zukünftig an diese Lösungen anknüpfen.

Wir in Deutschland kommen leider immer vom Problem her und suchen die 100-Prozent-Lösung, während man vielleicht auch mit 80 Prozent zufrieden sein könnte. Man darf auch einmal Fehler machen. Wichtig ist doch nur, dass man daraus lernt und am Ende vorankommt.

Smart-City-Projekte sorgen für qualitativ bessere Informationen. Unser Ziel ist es, langfristig Probleme zu lösen, und durch Smart City werden unsere Entscheidungen besser.