Frankfurt am Main, 04. November 2025 – Das deutsche Gesundheitswesen kommt beim Klimaschutz nur mühsam voran. Der aktuelle BARMER Klimaschutzindex zeigt: Seit 2022 bewegt sich die Branche kaum, der Index stagniert bei 98 Punkten (Basisjahr 2022: 100 Punkte). Besonders ernüchternd: Nur sechs Prozent der befragten Expertinnen und Experten halten es für realistisch, dass Kliniken, Praxen und Krankenkassen bis 2030 klimaneutral arbeiten.
Klimaschutz bleibt Randthema – trotz wachsender Relevanz
Zwar beschäftigt sich fast die Hälfte der befragten Einrichtungen inzwischen mit Klimaneutralität, ein Fünftel plant konkrete Schritte. Doch die Zahl derer, die tatsächlich handeln, stagniert. Der Index sendet ein Signal des Stillstands: 30 Prozent der Befragten sehen den Beitrag des Sektors zur CO₂-Reduktion als hoch an, 33 Prozent als gering – exakt wie im Vorjahr.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für das Thema: Jede zweite Einrichtung erwartet, dass Klimaschutz im Gesundheitswesen in den kommenden zwölf Monaten wichtiger wird. „Nachhaltigkeit bleibt in vielen Häusern eine Randnotiz – solange sie nicht Teil des Alltags wird, bleiben Klimaziele im Gesundheitswesen unerreichbar“, kritisiert Jacqueline Preußer, Head of Research bei F.A.Z. Business Media.
Fortschritte bleiben Stückwerk
Wo Klimaschutz gelingt, geschieht das in kleinen Schritten: 45 Prozent der Einrichtungen setzen auf nachhaltige Mobilität, 41 Prozent auf Recycling oder Kreislaufwirtschaft. Weniger verbreitet sind Investitionen in erneuerbare Energien (38 Prozent) oder energetische Sanierungen (35 Prozent).

„Wir sehen viele Insellösungen, aber keine systematischen Veränderungen. Finanzielle Engpässe, bürokratische Hürden und fehlende gesetzliche Vorgaben bremsen die Branche aus“, so Preußer.
Studie mit breiter Basis
Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von 415 Organisationen des deutschen Gesundheitssektors im Sommer 2025, durchgeführt von F.A.Z. Business Media research im Auftrag der BARMER und des F.A.Z.-Instituts. Vertreten waren Praxen, Kliniken, Krankenkassen, Apotheken, Sanitätshäuser sowie die medizintechnische und pharmazeutische Industrie.