Erwartungen, Wahrnehmungen und Zukunftsängste

2024 wurde der Blick auf die Transformation des Gesundheitssektors um eine repräsentative Bevölkerungsbefragung erweitert. Denn: Die Erwartungen, Wahrnehmungen und Zukunftsängste der Menschen prägen nicht nur die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. Sie bestimmen auch die Bereitschaft zur Akzeptanz und Mitgestaltung notwendiger Anpassungen in der Gesundheitsversorgung. So entsteht ein umfassendes Bild davon, welche Herausforderungen und Handlungsfelder auf dem langen Weg zur Klimaneutralität adressiert werden müssen.

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Der Gesundheitssektor und die Folgen
des Klimawandels

Die besondere Stellung des Gesundheitssektors als Verursacher und Leidtragender des Klimawandels ist ein häufig bemühter Appell. Aus gutem Grund: Aktuelle Probleme wie Ressourcenknappheit, steigende Kosten und Versorgungsengpässe werden durch den Klimawandel weiter verschärft. Klimabedingte Extremwetterereignisse, neue Krankheitsbilder und infrastrukturelle Belastungen gefährden langfristig die Versorgungssicherheit.

  • Für die Mehrheit der Bevölkerung ist der Klimawandel zwar ein bedeutendes persönliches Anliegen.
  • Der Gesundheitssektor wird jedoch von den meisten nicht als zentraler Akteur im Kampf gegen den Klimawandel wahrgenommen.
  • Nur eine Minderheit besitzt ein realistisches Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf den Gesundheitssektor und die Gesundheitsversorgung.

Die besondere Verbindung zwischen Klimawandel und Gesundheitssektor ist in der Bevölkerung nicht hinreichend bekannt.

Klimawandel: ein wichtiges Thema

Der Klimawandel hat sich von einem abstrakten Umweltproblem zu einer konkreten gesellschaftlichen Herausforderung entwickelt. Für Frauen (71 Prozent) hat dabei das Thema häufiger eine persönliche Bedeutung als für Männer (65 Prozent).

Der Gesundheitssektor muss nicht nur deshalb handeln: Um die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern, muss er sich an die klimabedingten Veränderungen anpassen. Gleichzeitig muss er seinen Treibhausgasausstoß senken, sonst sind die deutschen Klimaziele nicht zu erreichen – eine herausfordernde Aufgabe. Ein Drittel der Bevölkerung sieht hier die Regierung beziehungsweise die Politik in der Hauptverantwortung. Für ein weiteres Drittel stehen dagegen alle Akteure gemeinsam in der Pflicht. Bemerkenswert ist, dass die Hälfte der jungen Bevölkerung zwischen 16 und 24 Jahren die Verantwortung der Politik hervorhebt. Möglicherweise in Erwartung eines verbindlichen Handlungsrahmens für eine konsequente Transformation.

68% der Menschen in Deutschland stufen den Klimawandel als ein persönlich wichtiges1 Thema ein.

Wie wichtig sind Ihnen persönlich die folgenden Themen?1; in Prozent der Befragten; n = 1.534

¹es wurden weitere Themen abgefragt; hier Antwortoptionen wichtig und eher wichtig“ Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Nur wenige sehen das Gesundheitswesen als relevanten Akteur

Der deutsche Gesundheitssektor verursacht etwas mehr als 6 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen. Damit trägt er stärker zum Klimawandel bei als der Flugverkehr. In der gesellschaftlichen Debatte um den Klimawandel wird dies jedoch kaum thematisiert. Das ist nicht überraschend, denn der Gesundheitssektor steht daneben vor akuten Herausforderungen wie Investitionsrückständen bei der Infrastruktur, Fachkräftemangel und einer schleppenden Digitalisierung.

Im Bewusstsein der Bevölkerung taucht der Gesundheitssektor demnach auch nur vereinzelt als relevanter Akteur im Kampf gegen den Klimawandel auf. Zwar vermutet ein Drittel der Menschen, dass er von den Folgen des Klimawandels mit am stärksten betroffen sein wird. Zudem attestiert ihm nur etwas mehr als jeder Zehnte eine aktive Rolle im Klimaschutz. Deshalb überrascht es wenig, dass lediglich 15 Prozent der Bevölkerung den Gesundheitssektor im Kreis der Bereiche mit dem größten Handlungsbedarf verorten. Diese Einschätzung teilen alle Gesellschaftsgruppen unabhängig von ihrer grundsätzlichen Einstellung zu Thema Klimawandel.

37%

Industrie

34%

Verkehr/Logistik

30%

Energieerzeugung

15%

Gesundheitswesen

Bei welchen dieser Bereiche in Deutschland sehen Sie in puncto Klimaschutz aktuell noch den größten Handlungsbedarf?; es wurden weitere Bereiche abgefragt; maximal drei Nennungen; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Keine konkreten Vorstellungen zu den Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel ist mit Umweltveränderungen verbunden, die sich auch auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen auswirken. So werden beispielsweise die sogenannten heißen Tage – also Tage, an denen die Temperaturen die 30- Grad-Marke überschreiten – und Hitzewellen weiter zunehmen. 

Interessanterweise berichten gerade jüngere Personen zwischen 16 und 34 Jahren deutlich häufiger von negativen Folgen (30 Prozent) als ältere Personen zwischen 55 und 74 Jahren (15 Prozent). Richtet sich der Blick in die Zukunft, fällt die Einschätzung gesamtgesellschaftlich etwas negativer aus. Jüngere Bevölkerungsteile blicken mehrheitlich negativ auf den Klimawandel und seine Folgen, die älteren dagegen eher gelassen und stellenweise sogar verharmlosend.

Das Meinungsbild, worin diese künftigen Beeinträchtigungen liegen, ist diffus. Konkret rechnen 45 Prozent aller Personen bis zum kommenden Jahrzehnt mit steigenden Krankenraten. Zudem gehen 40 Prozent von einer unzureichenden medizinischen Versorgung bei bisher unbekannten oder seltenen Krankheiten aus. Zu hohe Temperaturen in den Räumlichkeiten sind dagegen nur für 29 Prozent der Bevölkerung ein Teil des zukünftigen Problems. Dass die eigene Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bis 2030 von den Folgen des Klimawandels komplett unbeeinflusst bleibt, glauben dagegen nur 7 Prozent aller Personen und 13 Prozent der heute 65- bis 74-Jährigen.

Beeinträchtigung durch den Klimawandel und seine Folgen:

Wie stark fühlen Sie sich durch den Klimawandel und seine Folgen schon heute bei der Nutzung des deutschen Gesundheitswesens beeinträchtigt? / Wie stark werden der Klimawandel und seine Folgen Sie bis 2030 bei der Nutzung des deutschen Gesundheitswesens insgesamt beeinträchtigen?; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Der Klimawandel und die eigene Gesundheit

Der Klimawandel wirkt sich direkt auf die Gesundheit jedes Einzelnen
aus. Die gesundheitlichen Konsequenzen bestehen dabei nicht nur in
der Verbreitung exotischer Infektionskrankheiten oder Zoonosen.
Sie zeigen sich auch in ganz alltäglichen Belastungen. So sind beispielsweise Pollenallergiker einer immer längeren Pollensaison und einer stärkeren  Pollenbelastung ausgesetzt.

  • Die Mehrheit der Bevölkerung ist sich bewusst, dass Klima und
    Gesundheit eng miteinander verknüpft sind.
  • Allerdings rechnet weniger als die Hälfte bis 2030 mit negativen
    Folgen des Klimawandels für die eigene Gesundheit.
  • Obwohl Sorgen über konkrete gesundheitliche Folgen des
    Klimawandels bestehen, deutet das eher unklare Meinungsbild
    darauf hin, dass noch viele Risiken unterschätzt werden.

Die Verbindung zwischen dem Klimawandel und der eigenen Gesundheit wird unterschätzt.

Mehrheit versteht Klimaschutz als Gesundheitsschutz

In der öffentlichen Auseinandersetzung mit den Folgen des Klimawandels dominiert häufig der Blick auf extreme Hitze. Das ist nicht falsch, greift aber zu kurz: Klimaschutz bedeutet auch, ernährungsbedingte Erkrankungen durch eine nachhaltigere Landwirtschaft zu verringern und die Luftqualität zu verbessern, um Atemwegserkrankungen vorzubeugen. Dazu gehört auch der Schutz vor Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen, Stürmen oder Dürren.

Kurzum: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. 62 Prozent der Bevölkerung sehen dies genauso. Auffällig ist, dass diese Überzeugung in nahezu allen Bevölkerungsteilen gleich häufig vertreten ist und nur 12 Prozent die Aussage explizit ablehnen. Daneben stimmen 22 Prozent immerhin in Teilen zu, und 4 Prozent können oder wollen hier keine Einschätzung abgeben.

„Klimaschutz ist Gesundheitsschutz.“

62%

Welchen der folgenden Thesen zu Klimaneutralität im Gesundheitssektor stimmen Sie zu?; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Zwischen Dringlichkeit und Stillstand

Kerstin Blum, Geschäftsführerin der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, erklärt im Interview, warum der Gesundheitssektor trotz wachsendem Bewusstsein bei Klimaneutralität und Hitzeschutz nur langsam vorankommt – und welche Rolle Politik und Kommunikation dabei spielen.

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Kerstin Blum ist Geschäftsführerin der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen (GEGM) und Senior Project Manager bei den BrückenKöpfen. Sie ist über 20 Jahre im gesundheitspolitischen Umfeld tätig und verantwortet den Deutschen  Nachhaltigkeitspreis Gesundheit, den GEGM gemeinsam mit der BARMER und der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis verleiht.

Eher auf lange Sicht: negative Auswirkungen auf die eigene Gesundheit

Wenn die Mehrheit der Bevölkerung der Aussage „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“ zustimmt, müsste diese Mehrheit angesichts der aktuellen Klimaschutzbemühungen um die eigene Gesundheit besorgt sein: Ohne einen klar definierten Zeithorizont rechnen derzeit auch folgerichtig zwei Drittel der Bevölkerung mit negativen Folgen für die eigene Gesundheit.

Hier muss jedoch festgehalten werden, dass lediglich 22 Prozent aller Personen mit eindeutig negativen Auswirkungen rechnen. Personen zwischen 16 und 24 Jahren sind deutlich skeptischer: 35 Prozent der Altersgruppe rechnen mit klar negativen Folgen. Davon gehen überraschenderweise nur 16 Prozent der 55- bis 74-Jährigen aus. In dieser Gruppe rechnet zudem mehr als ein Viertel mit geringen oder gar keinen negativen Folgen für die eigene Gesundheit durch den Klimawandel.

Wird der Betrachtungszeitraum klar auf 2030 eingegrenzt, rechnen sogar noch weniger Personen mit negativen Auswirkungen. 41 Prozent rechnen bis 2030 mit negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die eigene Gesundheit.

Der Klimawandel wird sich auf meine Gesundheit…

Was glauben Sie, wie werden sich der Klimawandel und seine Folgen auf Ihre Gesundheit auswirken?; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Die Sorgen vor gesundheitlichen Konsequenzen
gehen auseinander

Welche gesundheitlichen Folgen des Klimawandels bereiten Ihnen persönlich die größten Sorgen?1; maximal fünf Nennungen;
in Prozent der Befragten; n = 1.534

¹Darstellung ohne Antwortkategorie „weiß nicht/keine Angabe“
Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Die Mehrheit der Bevölkerung geht langfristig von einer negativen Beeinflussung der eigenen Gesundheit durch die Folgen des Klimawandels aus. Die Einschätzungen zu den konkreten Gesundheitsfolgen gehen jedoch auseinander: So machen sich 47 Prozent der Bevölkerung Sorgen über die Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, während jeweils etwas mehr als ein Viertel Schlafstörungen, tropische Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Stress befürchten. Hingegen bereiten weniger Menschen Krankheiten wie Herzinfarkte (16 Prozent) oder Hautkrebs (22 Prozent) Sorgen. Auffällig ist, dass ein Zehntel keine der genannten gesundheitlichen Folgen als besorgniserregend ansieht.

Beim Blick auf altersspezifische Sorgen zeigen sich stellenweise Unterschiede: Bei Personen zwischen 16 und 34 Jahren dominiert die Furcht vor Stress und Belastungen der seelischen Gesundheit. Daneben zeigt sich, dass Frauen hier sorgenvoller in die Zukunft blicken. Sie sorgen sich beispielsweise häufiger vor Atemwegserkrankungen, Allergien und Konzentrationsstörungen als Männer.

Der Gesundheitssektor wird nicht als gut vorbereitet wahrgenommen

Der Gesundheitssektor muss sich bereits heute auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels vorbereiten: Anpassungen in der Infrastruktur, Katastrophen- und Hitzeaktionspläne sowie die Fortbildung des medizinischen Personals sind nur ausgewählte Punkte einer langen Liste. Für viele dieser Herausforderungen wurden in den letzten Jahren bereits Ansätze und Lösungen entwickelt, die jedoch noch nicht in der Fläche verbreitet sind.

Die Bevölkerung jedenfalls ist von der Vorbereitung des Gesundheitssektors nicht überzeugt: Lediglich 21 Prozent der Bevölkerung halten ihn für gut auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet. 41 Prozent lehnen die Aussage sogar explizit ab.

„Der Gesundheitssektor ist gut auf den Klimawandel und seine Folgen vorbereitet.“

20%

Welchen der folgenden Thesen zu Klimaneutralität im Gesundheitssektor stimmen Sie zu?; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Der Klimawandel und das eigene Verhalten

Die Herausforderungen für den Gesundheitssektor sind zahlreich und die Handlungsfelder komplex. Gerade jüngeren Menschen sehen hier die Politik in der Hauptverantwortung, um beispielsweise Hürden in der Gesetzgebung zu beseitigen. Klar ist aber auch: Wer bei diesem Thema ausschließlich auf gesetzliche Rahmenbedingungen setzt, kommt nicht zum Ziel. Ohne die aktive Mitwirkung der Menschen wird die Transformation hin zu einem klimaneutralen Gesundheitssektor nicht gelingen.

  • Nur wenige sind bereit, persönliche Einschränkungen in der
    Gesundheitsversorgung zugunsten eines klimaneutralen
    Gesundheitssektors in Kauf zu nehmen.
  • Ein Großteil der Bevölkerung zeigt nur dann Akzeptanz für
    Veränderungen im Gesundheitssystem, wenn die Maßnahmen
    niedrigschwellig sind oder sie selbst keine aktive Rolle bei
    deren Umsetzung übernehmen müssen.

Die Bereitschaft, durch Verhaltensänderungen selbst tätig zu werden, ist mäßig ausgeprägt.

Mehr als ein Fünftel ist zu persönlichen Opfern bereit

Die Bevölkerung erwartet vom Gesundheitssektor in erster Linie eine umfassende und qualitativ hochwertige Versorgung, die auf ihre individuellen gesundheitlichen Bedürfnisse eingeht. Ein klimaneutraler Gesundheitssektor erfordert jedoch ein verändertes Patientenverhalten. Dazu gehört die Bereitschaft, klimafreundliche Alternativen zu akzeptieren, sowie eine bewusstere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist auch entscheidend, weil viele Klimaschutzmaßnahmen mit organisatorischen Anpassungen und möglicherweise höheren Kosten verbunden sind.

Nur 25 Prozent der Menschen sind zugunsten eines klimaneutralen Gesundheitssektors bereit, auf bestimmte Gesundheitsleistungen zu verzichten. Am stärksten ausgeprägt ist die Akzeptanz in jüngeren Bevölkerungsteilen. Etwas mehr als ein Drittel der 16- bis 34-Jährigen signalisiert hier Bereitschaft. Allerdings: 41 Prozent der Bevölkerung lehnen derartige Veränderungen kategorisch ab. Das gilt gerade für Personen zwischen 55 und 74 Jahren. Etwas mehr als die Hälfte schließt den Verzicht auf Gesundheitsleistungen kategorisch aus.

Noch geringer ist die allgemeine Zustimmung, wenn es um die finanzielle Beteiligung geht: Lediglich 22 Prozent der Bevölkerung akzeptieren höhere private Kosten in ihrer Gesundheitsversorgung, um Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen. In diesem Fall ist die Opposition noch ausgeprägter, 50 Prozent der Personen lehnen diese Konsequenz der Transformation ausdrücklich ab.

Zugunsten eines klimaneutralen Gesundheitssekors sind …

25% der Bevölkerung bereit, auf bestimmte
Gesundheitsleistungen zu verzichten.

22% bereit, höhere Kosten für die eigene Gesundheitsversorgung in Kauf nehmen.

Welchen der folgenden Thesen zu Klimaneutralität im Gesundheitssektor stimmen Sie zu?; in Prozent der Befragten; n = 1.534

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Einige konkrete Maßnahmen werden akzeptiert

Welche dieser Veränderungen in der Gesundheitsversorgung würden Sie akzeptieren, damit der deutsche Gesundheitssektor Treibhausgasemissionen einsparen kann?1;
in Prozent der Befragten; n = 1.534

¹Darstellung ohne Antwortkategorien „weiß nicht/keine Angabe“
Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Der Wandel des Gesundheitssektors hin zur Klimaneutralität betrifft zunächst Bereiche, die für die meisten Patientinnen und Patienten nicht nachvollziehbar oder ersichtlich sind – wie den Energieträgereinsatz oder die internationalen Lieferketten. Dennoch wird die Transformation für die Bevölkerung früher oder später in Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken spürbar: Sei es durch Anpassungen im Behandlungsablauf oder den Einsatz angepasster Verfahren und Materialien.

Derzeit sind jedoch nur wenige Menschen bereit, konkrete Veränderungen zu akzeptieren – und das vor allem bei niedrigschwelligen Maßnahmen. Keine der für Arztpraxen und Krankenhäuser abgefragten Maßnahmen zur Unterstützung eines klimaneutralen Gesundheitssektors überzeugt wenigstens die Hälfte der Bevölkerung. Immerhin 45 Prozent können sich die Rückgabe von gebrauchten Produkten und Hilfsmitteln vorstellen. Mehr digitale Kommunikation ist zudem für 42 Prozent und ein angepasster Speiseplan für 38 Prozent der Personen akzeptabel. Fast jeder Zehnte ist nicht bereit, irgendeine Veränderung in diesem Bereich zu akzeptieren.

Für Apotheken fällt die Veränderungsbereitschaft größer aus: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung akzeptiert die bereits verfügbaren digitalen Rezepte. Darüber hinaus ist auch die Umstellung auf digitale Kassenbons für 43 Prozent als Maßnahme zur Ressourcenschonung denkbar. Die Ausgabe klimafreundlicher Alternativen von Medikamenten kann dagegen nicht einmal ein Drittel der Personen überzeugen, und 7 Prozent lehnen Anpassungen grundsätzlich ab.

Redaktion:

Thilo Kampffmeyer ist Senior Redakteur bei F.A.Z. Business Media | research. Er hat empirische Politik- und Sozialwissenschaft an der Universität Stuttgart studiert. Bevor er zum F.A.Z. Fachverlag kam, war er mehrere Jahre in einem Marktforschungsinstitut als Studienleiter tätig.

Thilo Kampffmeyer

Thilo Kampffmeyer ist Senior Redakteur bei F.A.Z. Business Media | research. Er hat empirische Politik- und Sozialwissenschaft an der Universität Stuttgart studiert. Bevor er zum F.A.Z. Fachverlag kam, war er mehrere Jahre in einem Marktforschungsinstitut als Studienleiter tätig.

veröffentlicht: 08.10.2024
zuletzt aktualisiert: 02.04.2026