Der BARMER Klimaschutzindex für das Gesundheitswesen gibt Aufschluss über die Einschätzung der Transformationsfortschritte zugunsten des Klimaschutzes. 2022 wurde erstmals erhoben, wie das Gesundheitswesen den eigenen Beitrag zur CO2-Reduktion und die Entwicklung in den kommenden 12 Monaten einschätzt. Der Index wurde für 2022 auf 100 Punkte gesetzt, um in den Folgejahren die Veränderung abbilden zu können. 2023 liegt der Index bei 99 Punkten. Das bedeutet, die Einschätzung trübt sich mit Blick auf die Fortschritte beim Klimaschutz leicht ein.
Der Index basiert auf dem Klimaschutz-Transformationssaldo. Dieser wird aus zwei Einschätzungen der Befragten gebildet: der Bewertung des aktuellen Beitrags des Sektors zur allgemeinen CO2-Reduktion (Lage) sowie der Einschätzung hinsichtlich der Relevanz des Themas CO2-Reduktion im Gesundheitssektor in den kommenden zwölf Monaten (Erwartungen). Für 2023 ergibt sich ein Saldo von 20,2 Punkten. Er spiegelt die Einschätzung wider, dass aktuell wenig getan wird (Lage -6), aber die Relevanz in den nächsten zwölf Monaten stark zunehmen sollte (Erwartungen 50).
Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut
Foto: Viz – stock.adobe.com
Uneinigkeit über den Beitrag zur Klimaneutralität – Lage
Obwohl der Gesundheitssektor noch deutlich anderen Branchen hinterherhinkt, gelangt das Thema Klimaneutralität immer häufiger in den strategischen Blick der Akteure. Klimaschutz wird wichtiger, die Einschätzungen des Beitrags zur Einsparung von Treibhausgasen variieren jedoch: 30 Prozent der Befragten schätzen die Leistung des gesamten Gesundheitssektors bereits als groß oder sehr groß ein. 36 Prozent stufen ihn dagegen als klein beziehungsweise nicht vorhanden ein. Damit ist die Selbsteinschätzung etwas kritischer als im Jahr 2022. Die Beiträge der eigenen Branche und der eigenen Organisation werden übrigens durchgehend negativer eingeschätzt als der Beitrag des gesamten Gesundheitssektors.
Was glauben Sie, wie groß ist der aktuelle Beitrag dieser Akteure zur allgemeinen Reduktion des CO2-Ausstoßes?; in Prozent der Befragten; n = 443
Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut
Klimaschutz wird (noch) wichtiger – Erwartungen
Der Gesundheitssektor steht erst am Anfang einer nachhaltigen Entwicklung. Während sich die Vertreter über den Status quo des Klimaschutzbeitrags uneinig sind, bestehen nur wenige Zweifel daran, dass das Thema weiterhin hoch relevant bleiben wird. Lediglich 9 Prozent der befragten Organisationsvertreter gehen davon aus, dass es für den Gesundheitssektor weniger wichtig wird, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Dagegen rechnen, ähnlich wie im Jahr 2022, 26 Prozent mit gleichbleibender und fast 60 Prozent mit steigender Relevanz. In Anbetracht der drohenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Gesundheitssektor überrascht dieses Stimmungsbild nicht. Experten rechnen beispielsweise damit, dass zunehmende und intensivere Hitzewellen die Zahl der jährlichen Hitzetoten drastisch erhöhen und das Gesundheitssystem dadurch zusätzlich belasten.
Wie wird sich die Bedeutung der Verringerung des CO2-Ausstoßes entwickeln?; in Prozent der Befragten; n = 443 (2023)
Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut