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Klimaneutralitätsziel ist herausfordernd

Der deutsche Gesundheitssektor trägt entscheidend zum Klimawandel bei. Ein durchschnittliches Krankenhaus hat den Energiebedarf einer Kleinstadt. In Deutschland gibt es 1.800 Krankenhäuser. Hinzu kommen über 100.000 Arzt- und Zahnarztpraxen. Gleichzeitig beschäftigt der Gesundheitsbereich circa 5,6 Millionen Menschen. Deren Mobilität, die der Patienten und der Angehörigen verursachen hohe CO2-Emissionen. Dies gilt erst recht für die Treibhausgasemissionen internationaler Lieferketten. Klimaneutralität im Gesundheitssektor zu schaffen, ist eine Herausforderung. Die zahlreichen und sehr unterschiedlichen Akteure des Gesundheitswesens müssen in einem ersten Schritt die Wirkung ihres individuellen Handelns verstehen und daraus die passenden Handlungsoptionen entwickeln. Gerade für die kleineren Akteure wie Einzel- oder Gemeinschaftspraxen ist es eine Herausforderung.

„Die organisatorische Verankerung und Festlegung klarer Verantwortlichkeiten für Klimaneutralität ist aktuell eine große Herausforderung.“

43%

Welchen der folgenden Thesen zu Klimaneutralität im Gesundheitssektor stimmen Sie zu?; in Prozent der Befragten; n = 443 (2023)

Quellen: Barmer, F.A.Z. Institut

Personelle Besetzung des Themas Klimaneutralität steht meist noch aus

Um dem Ziel Klimaneutralität näher zu kommen, müssen Ressourcen geschont und Treibhausgasemissionen reduziert werden. Für die Akteure des Gesundheitssektors bedeutet das, in unterschiedlichsten Handlungsfeldern Maßnahmen zu koordinieren und durchzusetzen. Damit dies gelingt, braucht es eine klare Verantwortlichkeit. Doch gerade einmal 18 Prozent der Befragten aus dem Gesundheitssektor haben bereits eine spezielle Abteilung oder Person identifiziert, die für Klimaneutralität verantwortlich zeichnet. Weitere 17 Prozent geben an, hier im Planungsprozess zu stecken.

Gibt es in Ihrer Organisation eine spezielle Abteilung/eine Person, die für das Thema Klimaneutralität verantwortlich ist?; in Prozent der Befragten; n = 443

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Im Gesundheitssektor kennt kaum eine Organisation ihren CO2-Fußabdruck

Die Zahl der Akteure des Gesundheitssektors, die bereits konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen haben, ist überschaubar. Den CO2– bzw. Treibhausgas-Fußabdruck ihrer Organisation berechnen gerade einmal 13 Prozent. Dabei handelt es sich um eine grundlegende Maßnahme, ohne die die Umsetzung von Klimaneutralität nicht denkbar ist. Immerhin haben mit 22 Prozent ein Fünftel aber bereits die Messung des Fußabdrucks geplant.

Ein Fünftel der Befragten gibt an, dass in ihrer Organisation bereits Klimaschutzziele definiert wurden. Einige haben schon eine Klimaneutralitätsstrategie entwickelt (15 Prozent). Die ersten Schritte in Richtung Klimaneutralität sind also in einigen, wenn auch eher noch wenigen Organisationen gemacht. Es macht zuversichtlich, dass die Zahl derer, die angeben, dass diese Maßnahmen in ihrer Organisation noch nicht umgesetzt, aber bereits in Planung sind, deutlich größer ist.

13% berechnen den CO2-Fußabdruck

Welche der folgenden Maßnahmen wurden in Ihrer Organisation bereits ergriffen oder sind geplant?; die Frage wurde 2024 erneut erhoben und die Werte aktualisiert; in Prozent der Befragten; n = 409 (2024)

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Die richtigen Nachhaltigkeitskennzahlen zu ermitteln, ist eine große Herausforderung

Was Organisationen als eine Herausforderung auf dem Weg zur Klimaneutralität empfinden, ist sehr unterschiedlich. Befassen sie sich allerdings bereits mit der Klimaneutralität, kristallisieren sich drei Herausforderungen stärker heraus: An erster Stelle stehen mit 30 Prozent gleichauf die Ermittlung von Nachhaltigkeitskennzahlen und die Messung des CO2– bzw. Treibhausgas-Fußabdrucks. Mit 26 Prozent der Nennungen in dieser Befragtengruppe steht die Entwicklung einer Klimaneutralitätsstrategie an dritter Stelle. Die genannten Punkte spiegeln wider, dass die Akteure im Gesundheitssektor hinsichtlich Klimaneutralität noch in den Anfängen stecken. Tatsächlich bilden diese Maßnahmen die Grundlage und sind sehr organisationsspezifisch.

Die größten Herausforderungen:

  • Nachhaltigkeitskennzahlen ermitteln
  • CO2-/Treibhausgas-Fußabdruck berechnen
  • Klimaneutralitätsstrategie entwickeln

Welche dieser Maßnahmen sind bzw. waren für Ihre Organisation eine besonders große Herausforderung?; in Prozent der Befragten, die sich aktiv mit Klimaneutralität beschäftigen; n = 205

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Mitarbeitende gehen bei Nachhaltigkeitszielen mit

Nur ein geringer Anteil von 5 Prozent der Befragten, deren Organisation mit Maßnahmen das Verhalten von Mitarbeitenden und Patienten adressiert, sieht eine niedrige oder sehr niedrige Akzeptanz für Nachhaltigkeitsziele bei ihren Mitarbeitenden. 62 Prozent bewerten sie als hoch oder sogar sehr hoch. Ein Drittel dieser Befragtengruppe sieht eine unterschiedliche Akzeptanz und will sich hier nicht genau festlegen. Damit ist klar, die Mitarbeitenden tragen Nachhaltigkeitsmaßnahmen in den allermeisten Organisationen mit.

Wie schätzen Sie die Akzeptanz Ihrer Mitarbeitenden zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen ein?; in Prozent der Befragten, deren Organisation mit Maßnahmen das Verhalten von Mitarbeitenden oder Patienten adressiert; n = 258

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Aufklären und fortbilden

Um Mitarbeitende und Patienten beim Klimaschutz mit ins Boot zu bekommen, setzen die Befragten, deren Organisation mit Maßnahmen das Verhalten von Mitarbeitenden und Patienten adressiert, vor allem auf klassische Maßnahmen wie Schulungen, Fortbildungen und Aufklärungsmaßnahmen für Patienten. Vor allem energiebewusstes Verhalten wird geschult, aber auch Arbeitskreise Energieeinsparung und Fortbildungen zum Klimaschutz sind sehr beliebt. Modernere Elemente wie Gamification durch Challenges oder Apps sind bislang nur selten in Einsatz. Nur 8 Prozent der Befragten dieser Gruppe geben an, dass sie keine dieser Maßnahmen ergriffen haben.

44%

Schulung zum Thema „energiebewusstes Verhalten“

30%

Arbeitskreis Energieeinsparung eingerichtet

30%

Fortbildung zu Klimaschutz im Gesundheitswesen

26%

allgemeine Klimafortbildung/-Schulung

Welche dieser Maßnahmen wurden in Ihrer Organisation umgesetzt bzw. werden noch umgesetzt?; in Prozent der Befragten, deren Organisation mit Maßnahmen das Verhalten von Mitarbeitenden oder Patienten adressiert; n = 229

Quellen: BARMER, F.A.Z. Institut

Beim Thema Klimaschutz wird bislang nur selten kooperiert

Klimaneutralität in der eigenen Organisation in wenigen Jahren zu erreichen, ist kein einfaches Unterfangen. Aus den Erfahrungen von anderen lernen, mit anderen zum Thema im Austausch bleiben, kann dabei sehr hilfreich sein. Doch bislang kooperieren nur 26 Prozent der Befragten, deren Organisation sich bereits mit dem Thema Klimaneutralität beschäftigt, im Hinblick auf ihre Klimaneutralität. Man tauscht sich dabei vor allem mit Akteuren der eigenen Branche oder des eigenen Bereichs aus.

„Wir kooperieren mit anderen beim Thema Klimaneutralität“

26%

Zustimmung in Prozent der Befragten, deren Organisation sich bereits mit dem Thema Klimaneutralität beschäftigt
oder dies auf der Agenda hat; n = 291

Quellen: Barmer, F.A.Z. Institut