Ob digitale Verwaltung, nachhaltige Mobilität oder bürgernahe Services – was eine „intelligente Stadt“ ausmacht, variiert je nach Ansatz. Städte, Unternehmen oder Institutionen setzen unterschiedliche Schwerpunkte und haben eigene Perspektiven. Deshalb legen wir für diese Studie eine übergreifende Definition einer Smart City vor, die verschiedene Konzepte zusammenführt und einen gemeinsamen Rahmen schafft.
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Wie sehen unsere Städte der Zukunft aus? Antworten auf diese Frage liegen nicht mehr in weiter Ferne, denn die Transformation der Stadt ist bereits im Gange. So nimmt die Vision einer „Smart City“ bereits an vielen Orten konkrete Formen an. Einige Schlüsselmerkmale bilden den Rahmen: Das Konzept beschreibt eine Stadt, die moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nutzt, um urbane Prozesse zu optimieren, die Lebensqualität von Stadtbewohnern zu verbessern und Ressourcen effizienter zu verwalten.
»Ein Werkzeug, um eine Smart City aufzubauen, ist technische Innovation.«
Dr.-Ing. Georg Leuteritz, Bereichsleitung Trends und Innovation, hannoverimpuls GmbH
Doch hinter dem Begriff der intelligenten Stadt verbirgt sich weit mehr als nur die Einführung einzelner technischer Lösungen, wie smarter Straßenlaternen oder selbstfahrender Autos. Es ist ein komplexes, vernetztes System, in dem verschiedene städtische Bereiche wie Verkehr, Energieversorgung, Abfallwirtschaft und Verwaltung intelligent miteinander kommunizieren und interagieren.
»Smart City ist kein Thema, was sich auf einen Bereich fokussieren lässt. Das ist auf jeden Fall ein Querschnittsthema«
Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung, Stadt Wiesbaden
Das Ziel einer smarten Stadt ist, städtische Herausforderungen wie Verkehrsüberlastung, hohe Energieverbräuche und Umweltbelastungen zu meistern und so ein lebenswertes Umfeld für die Stadtbewohner zu gestalten. Dabei werden die Menschen in den Transformationsprozess eingebunden und gestalten ihn mit.
Durch die Vernetzung von Infrastrukturen und die Nutzung von Echtzeitdaten können fundierte Entscheidungen getroffen und Prozesse optimiert werden. Die Umsetzung einer Smart City erfordert jedoch nicht nur technologische Innovationen, sondern auch eine sorgfältige Berücksichtigung von Datenschutz und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.
Kernkomponenten einer Smart City:
Energie und Umwelt
Eine smarte Stadt setzt auf nachhaltige Energiequellen und optimiert ihren Energieverbrauch. Intelligente Stromnetze und die Nutzung erneuerbarer Energien sorgen für eine effizientere Energieversorgung. Gleichzeitig werden Technologien wie smarte Beleuchtung und intelligente Abfallmanagement-Systeme eingesetzt, um Ressourcen zu schonen und Emissionen zu reduzieren. So kann unter anderem die städtische Beleuchtung durch smarte Straßenlaternen geregelt werden, die nur dann leuchten, wenn sie tatsächlich benötigt werden – und so Energie sparen.
Verkehr und Mobilität
Durch vernetzte Verkehrssysteme wird der Verkehrsfluss optimiert. Autonom fahrende Autos, smarte Ampeln und öffentliche Verkehrsmittel sollen den Verkehr sicherer und effizienter machen. Das Ziel ist, Staus zu vermeiden und den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ein Beispiel ist die intelligente Verkehrssteuerung in Großstädten: Ampeln reagieren in Echtzeit auf Verkehrsaufkommen und lenken den Verkehr dynamisch. Zudem werden autonome Fahrzeuge und Carsharing-Dienste verstärkt eingesetzt, um den Individualverkehr zu verringern und die Luftqualität zu verbessern.
Öffentliche Dienste und Verwaltung
Verwaltungsdienste werden durch digitale Plattformen zugänglicher und effizienter. Behördengänge können online erledigt werden, von der Terminbuchung bis zur Steuererklärung: Auf E-Government-Plattformen können Bürger Anträge stellen, Termine buchen oder Zahlungen leisten. Das spart Zeit und senkt die Kosten.
Sicherheit und Gesundheitswesen
In Smart Cities wird die öffentliche Sicherheit durch moderne Technologien unterstützt. Intelligente Überwachungstechnologien erhöhen die Sicherheit durch Kameras, die bei Notfällen Alarm schlagen. Außerdem kommen Sensoren zur Schadstoffmessung zum Einsatz. Auch das Gesundheitswesen kann in die smarte Stadt integriert werden: So ermöglicht ein Telemedizin-System den Bürgern, Konsultationen mit Ärzten oder Spezialisten direkt von zu Hause aus durchzuführen.
»Eine Smart City ist am Ende ein bisschen wie eine Versorgungsinfrastruktur. Alles läuft im Hintergrund und wird aufeinander optimiert«
Dr. Robert Thomann, Geschäftsführer Smart City Mannheim GmbH
Die Entwicklung einer Stadt zu einer Smart City basiert zu großen Teilen auf der Digitalisierung der unterschiedlichen Sektoren. Auf dieser technischen Basis lassen sich verschiedene Bereiche miteinander verbinden und Synergieeffekte können genutzt werden. Bei der Vernetzung der analogen mit der digitalen Welt spielt auch das Internet der Dinge (IoT) eine entscheidende Rolle. Aber das Konzept beinhaltet mehr als nur einen „digitalen Schub“ für Städte – es ist ein Ansatz, der Technologie und Innovation nutzt, um den urbanen Herausforderungen der Zukunft adäquat zu begegnen.