Cascais gilt als Vorreiter in Sachen Smart City. Wie ist das Thema organisatorisch verankert?
Wir haben uns bereits vor rund 15 Jahren auf den Weg zur Smart City gemacht und früh entsprechende Strukturen geschaffen. Es fing an mit der Gründung von Cascais Ambiente. Es handelt sich dabei um ein städtisches Unternehmen, das Innovationen im Bereich Energie, Wasser und Ressourcenmanagement vorantreibt. In gewisser Weise handelt es sich um eine Art Labor, das nachhaltige urbane Entwicklung konkret umsetzt. Daneben gibt es Cascais Próxima, das sich um Mobilitätsthemen kümmert. Beide Organisationen sind eng in die Stadtverwaltung integriert.
Was sind die zentralen Aufgaben von Cascais Ambiente?
Unsere Arbeit umfasst Klimaschutzaktivitäten, Innovationen im Ressourcenmanagement sowie Projekte zur Anpassung an den Klimawandel. Wir befassen uns mit Energieeffizienz, Wassereinsparungen, nachhaltiger Bewässerung in Parks, aber auch der Verbesserung von Luftqualität und urbanem Mikroklima. Ein Beispiel: In neuen Grünanlagen pflanzen wir gezielt Bäume, die Schatten spenden, Wasser speichern und Abkühlung schaffen. Gleichzeitig investieren wir in smarte Messsysteme, damit Wasserverluste minimiert werden.

© Cascais Council
Sie entwerfen also nicht nur Pläne, sondern setzen diese auch selbst um?
Genau. Ich mache die strategische Planung, übernehme aber auch die Umsetzung gemeinsam mit Kollegen aus anderen Abteilungen. Das sorgt für eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis.
Gibt es für Cascais eine langfristige Roadmap?
Ja, wir haben einen Klimaplan bis 2030. Darin sind konkrete Maßnahmen definiert, um Emissionen zu senken und die Resilienz der Stadt zu erhöhen.
Mit wem arbeiten Sie zusammen, um das Thema Smart City voranzubringen?
Wir beziehen Forschungsinstitute und externe Partner ein, aber im Zentrum steht die Stadt selbst. Am Ende funktionieren wir wie ein Motor: Jeder Baustein – ob groß oder klein – ist wichtig. Ohne Zusammenspiel läuft es nicht.
Was sind die größten Herausforderungen beim Thema Smart City?
Ganz klar fehlende Finanzmittel. Wir finanzieren vieles aus Eigenmitteln, profitieren aber auch von nationalen oder EU-Förderprogrammen. Das Problem ist, dass langfristige Pläne oft mit kurzfristigen Finanzierungszyklen kollidieren. Das erfordert viel Flexibilität.
Gibt es weitere Hürden?
Als herausfordernd habe ich durchaus auch die Zusammenarbeit mit der Politik erlebt. Die Politik denkt unweigerlich in Wahlperioden. Das ist nicht unbedingt ein Problem, aber es verlangt kontinuierlichen Dialog. Wir sind in ständigem Austausch mit der Verwaltung, stimmen Budgets ab, setzen Prioritäten.
Wie sieht es mit der Bürgerbeteiligung aus?
Junge Menschen und Kinder können wir sehr gut erreichen. Ältere erreichen wir sehr viel schwerer. Wir arbeiten eng mit Schulen zusammen, um die nächste Generation früh an das Thema Smart City heranzuführen.
Kurze Wahlperioden auf der einen Seite, langfristige Infrastrukturpläne auf der anderen. Wie gehen Sie mit solchen politischen Unsicherheiten um?
Es ist ein ständiger Balanceakt. Man muss kontinuierlich miteinander im Gespräch bleiben, transparent arbeiten und vor allem belegbare Ergebnisse vorweisen können. Nur wenn sichtbar ist, dass Projekte einen konkreten Nutzen haben, etwa indem sie helfen, Kosten zu senken oder die Lebensqualität erhöhen, können sie die Politik dauerhaft überzeugen.
Welche Projekte waren für Sie persönlich die schwierigsten?
Am herausforderndsten war der Aufbau eines „Living Labs“, also eines Testfelds für Smart-City-Innovationen in einem bestehenden Wohngebiet. Wir mussten verschiedenste Partner an Bord holen: Wasserversorger, Energieunternehmen, Abfallwirtschaft, Kommunikationsanbieter. Jedes dieser Unternehmen hatte seine eigene Kultur, seine eigenen Interessen, Zeitpläne und Ressourcen. Es war wie ein riesiges Puzzle, bei dem jedes Teil passen musste.
Wie haben Sie diese Komplexität gemeistert?
Mit Geduld, Respekt und klarer Struktur. Wir haben versucht, Kompromisse zu finden, Dinge und Herangehensweisen, die alle akzeptieren konnten. Und wir haben Unterschiede zugelassen. Innovation entsteht durch Vielfalt.
Gab es weitere Lehren aus der Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele private Partner nur begrenzt innovationsfreudig sind. Sie haben ihre bereits etablierten Produkte vor Augen und verlassen ungern ihre Komfortzone. Man muss sich von Anfang an klarmachen, dass es in einem solchen Arbeitsprozess Reibungen geben wird. Wenn alle Beteiligten das annehmen, findet man schon einen gemeinsamen Weg.
Was genau verstehen Sie eigentlich unter einer Smart City?
Eine Smart City nutzt Daten und unterschiedlichste Technologien, um die Lebensqualität in einer Stadt zu verbessern. Und zwar nicht nur für die Verwaltung, sondern vor allem für die Bürger. Smart heißt für mich: erschwinglich und für alle Menschen zugänglich.
Wo sehen Sie Cascais in den nächsten Jahren?
Wir werden das Thema Smart City weiter vorantreiben und wollen noch innovativer werden. Natürlich kann heute noch niemand sagen, welche Technologien sich am Ende durchsetzen oder welche Prioritäten die Politik in Zukunft setzen wird. Auch deshalb gehen wir alle relevanten Themen an – Wasserversorgung, Waldbewirtschaftung, Biodiversität, Katastrophenschutz. Klimaschutz ist in all seinen Facetten wichtig.
Wenn Sie es auf den Punkt bringen sollten: Was sind beim Thema Smart City
die wichtigsten Erfolgsfaktoren?
Gegenseitiger Respekt, eine gute Zusammenarbeit mit Partnern innerhalb und außerhalb der Verwaltung und die Bezahlbarkeit. Smart City ist kein Selbstzweck. Die einzelnen Projekte müssen erschwinglich sein, bürgernah und flexibel – sonst verlieren sie ihre Bedeutung.