Startseite Pressemitteilungen Deutschland schwitzt – und das Gesundheitssystem ist kaum vorbereitet

Deutschland schwitzt – und das Gesundheitssystem ist kaum vorbereitet

Studien-Alert:
Immer einen Schritt voraus.

Erfahren Sie zuerst von neuen Studien-Publikationen.

Jetzt abonnieren

Frankfurt am Main, 21. September 2025 – Hitzewellen gehören für viele Menschen längst zum Alltag – und bringen das Gesundheitswesen an seine Grenzen. Das zeigt die aktuelle BARMER Hitzestudie: Während drei Viertel der Bevölkerung Hitzewarnungen ernst nehmen und ihr Verhalten anpassen, kämpfen Kliniken, Praxen und Pflegeheime mit überhitzten Räumen, erschöpftem Personal und gestörten Abläufen.

Hitze-Stress in den eigenen vier Wänden

Die Menschen in Deutschland reagieren besonnen auf Hitze: Zwei Drittel trinken mehr, passen ihre Ernährung an oder verdunkeln ihre Wohnungen, mehr als die Hälfte sucht Abkühlung in klimatisierten Räumen oder durch Ventilatoren.

Doch der Selbstschutz hat Grenzen: Nur 46 Prozent fühlen sich im Alltag gut auf Hitze eingestellt. Rund 18 Prozent haben erhebliche Probleme, die Belastung zu bewältigen. Jede zweite Person empfindet Hitzewellen im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung als kaum erträglich – und auch am Arbeitsplatz leidet fast die Hälfte unter hohen Temperaturen.

Mehrheit ohne Plan: Hitzeschutz in Gesundheitseinrichtungen lückenhaft 

Steigende Temperaturen bringen das Gesundheitswesen zunehmend an seine Belastungsgrenzen: 40 Prozent der Gesundheitseinrichtungen berichten von spürbaren Auswirkungen durch Hitze, in Kliniken sogar mehr als die Hälfte. Die Folgen: erschöpftes Personal, überlastete Abläufe, eingeschränkte Patientenversorgung.

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich: Die Hitzeschutzmaßnahmen in Deutschland gleichen einem Flickenteppich. 

• Nur jede dritte Einrichtung hat Klimaanlagen, Jalousien oder Ventilatoren überprüft.

• Hitzeschutzbeauftragte gibt es lediglich in 13 Prozent der Organisationen.

• Nur eine von fünf Einrichtungen verfügt über einen Hitzeaktionsplan.

Hitze stresst das Gesundheitswesen: In vielen Kliniken leidet nicht nur das Personal, sondern auch die Versorgungsqualität – doch kaum jemand zieht Lehren daraus.

„Viele Gesundheitseinrichtungen haben zum Teil einen erheblichen Nachholbedarf beim Hitzeschutz. Sie müssen sich intensiver mit den Herausforderungen des Klimawandels beschäftigen, um entsprechende Vorkehrungen treffen zu können. Hier sind allen voran die Betreiber und Kommunen gefragt, möglichst zeitnah zu handeln. Schon heute sind Hitzewellen eine massive gesundheitliche Belastung und könnten in Zukunft noch gravierendere Auswirkungen haben“, betont Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER.

Informationsdefizite: Eine Gefahr für Patienten?

Beim Thema Hitze hakt nicht nur die Prävention, auch die Aufklärung stockt. Nur ein Viertel der Einrichtungen informiert über gesundheitliche Risiken von hohen Temperaturen, notwendige Medikamentenanpassungen werden noch seltener thematisiert. Das deckt sich mit der Wahrnehmung der Bevölkerung: Lediglich fünf Prozent berichten, dass ihre Medikation während Hitzewellen überprüft oder angepasst wurde.

Über die Studie

Für die BARMER-Studienreihe Klimaneutraler Gesundheitssektor hat F.A.Z. Business Media | research im Juli 2025 eine Bevölkerungsbefragung unter 1.001 Personen in Deutschland durchgeführt. Zusätzlich wurden 415 Akteure des Gesundheitswesens befragt. Die Bevölkerungsbefragung ist repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren.

Weitere Ergebnisse der BARMER Hitzestudie.

Die Studie als PDF.

Schon gewusst?

Digital Storytelling

Digital Storytelling versucht die Gefühlsebene des Konsumenten anzusprechen, sodass dieser das Unternehmen oder die Marke positiv assoziiert.

Repräsentativität

Repräsentativität steht für den zulässigen statistischen Schluss von einer Teil­gesamtheit auf die Grundgesamtheit. Voraussetzung dafür ist eine korrekte Stichprobenziehung.

Qualitative Forschung

Die qualitative Forschung deckt Einstellungen und Motive oder neue Erkenntnisse und Trends auf, die von standardisierten Befragungen nicht erfasst werden.