Die Auswahl der richtigen Erhebungsmethode ist entscheidend für den Erfolg von B2B-Marktforschungsprojekten. Eine der etabliertesten Methoden zur Durchführung von Experten- und Entscheiderbefragungen ist nach wie vor das Computer Assisted Telephone Interview (CATI) – aller Digitalisierung zum Trotz. Dennoch stellt sich in der Forschungspraxis zunehmend die Frage: Muss es immer CATI sein?
1. Die Stärken von CATI in der B2B-Marktforschung
- Gezielte Ansprache von Entscheidungsträgern: CATI eignet sich besonders gut für die Befragung von Führungskräften und Experten, die häufig schwer zu erreichen sind. Durch den direkten Kontakt über Telefon lassen sich exklusive Zielgruppen effizient ansprechen.
- Hohe Antwortquote: Im Vergleich zu anderen Methoden, wie beispielsweise Online-Befragungen, weisen Telefoninterviews oft eine höhere Antwortquote auf. Ein Grund dafür ist die direkte Interaktion der Interviewer mit den Befragten.
- Flexibilität bei der Erhebung komplexer Daten: Außerdem ermöglicht CATI eine strukturierte, aber dennoch flexibel anpassbare Befragung. Geschulte Interviewer können bei Bedarf Unklarheiten direkt ausräumen oder vertiefende Fragen stellen, was insbesondere bei komplizierten Themen von Vorteil ist.
- Hohe Datenqualität: Die automatische Filterführung der CATI-Software und die Standardisierung der Fragen sorgen für vergleichbare Daten. Durch den direkten Kontakt zwischen Interviewer und Befragtem kommt es außerdem zu geringeren Abbruchraten.

2. Herausforderungen und Limitationen von Telefoninterviews
- Zeitintensiv und teuer: Die Durchführung von Telefonbefragungen kann zeit- und kostenintensiv sein, da unter anderem qualifizierte Interviewer benötigt werden und die Datenerhebung in Echtzeit erfolgt.
- Erreichbarkeit der Zielgruppen: Viele Entscheider sind telefonisch schwer erreichbar. Zudem nimmt die Bereitschaft zur Teilnahme an längeren Interviews ab.
- Begrenzte Flexibilität der Befragten: Für Befragte kann die telefonische Befragung zudem als aufwendig oder störend empfunden werden, was wiederum die Qualität der Daten beeinträchtigen kann.
3. Alternativen zu CATI in der B2B-Marktforschung
- Online-Befragungen: Wenn eine weniger kosten- und zeitintensive Methode gesucht ist, stellt eine Online-Befragung eine gute Wahl dar. Auch für größere Stichproben bietet sich die Durchführung webbasierter Umfragen an. Durch personalisierte Einladungen und die Möglichkeit zur flexiblen Teilnahme kann die Erreichbarkeit und der Komfort für die Befragten erhöht werden.
Lesen Sie hier, wie Sie abstrakte Themen erfassen und abfragen.
- Panelbefragungen: Der Zugang zu spezialisierten (Online-)B2B-Panels bietet eine gezielte Ansprache der richtigen Zielgruppen. Das ist vorteilhaft, wenn nicht die höchste Hierarchieebene, sondern Fachexperten befragt werden.
- Tiefeninterviews und qualitative Methoden: Bei der Untersuchung komplexer Themen bieten qualitative Methoden wie Tiefeninterviews oder Gruppeninterviews wertvolle Einblicke, die durch CATI womöglich nicht vollständig erfasst werden. Diese Ansätze eignen sich besonders für explorative Forschungsfragen und tiefgehende Analysen für Studien.

4. Die Rolle von Hybridmethoden
- Mixed-Methods-Ansätze: Eine kombinierte Nutzung von quantitativen und qualitativen Methoden – beispielsweise durch eine erste Online-Befragung, gefolgt von vertiefenden Interviews – bietet den Vorteil, sowohl allgemeine Fragen breites als auch tiefes Wissen zu erlangen. Diese Kombination wird auch in Projekten von F.A.Z. Business Media | research häufig genutzt, um eine fundierte Datenbasis zu schaffen.
- Warum Flexibilität entscheidend ist: Die Wahl der richtigen Erhebungsmethode sollte stets auf den spezifischen Anforderungen des Projekts basieren. Es gibt kein „One-size-fits-all“: Die Methodenkombination muss an das jeweilige Ziel, die Zielgruppe und das Forschungsthema angepasst werden.